Pfingstmontag ist Uebungstag

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Treffpunkt 9 Uhr in Küssnacht. Da Jasmin, inzwischen TGH-Passivmitglied, und ich ein Auto teilen, stehe ich bereits um 5.45 Uhr auf, um sie zur Arbeit zu fahren. So stehe ich um 6.45 Uhr in Baar im Zuger Kantonsspital vor der Cafeteria. Die hat allerdings noch geschlossen. Feiertag eben. Ich beschliesse also, noch schnell zum Scuba Shop nach Kappel am Albis zu fahren, um den Füllstand meiner beiden Flaschen zu kontrollieren; irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Eine gute Entscheidung: Sie sind gar nicht richtig voll! Beim letzten Füllen habe ich wohl etwas falsch gemacht, die Anzeige bleibt irgendwo bei 140 bar hängen. Nun zeigt sie zwei Mal stolze 220 bar an. Viel besser. Jetzt bleibt noch Zeit für einen Kaffee.

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In Küssnacht steht die kleine Truppe schon versammelt, als ich pünktlich um 9 Uhr das Auto auf dem Parkplatz abstelle. Es wird noch gegrüsst und gewitzelt, ich drücke jeder und jedem die Hand (die Gesichter kenne ich alle, die Namen noch nicht...), dann übernimmt Urs das Wort für ein kurzes Briefing: Den Tauchplatz hat er zufällig beim Wandern entdeckt, getestet allerdings noch nicht, er sollte aber für unser Vorhaben ideal sein. Da wir keine Rallye veranstalten wollen, werden Fahrgemeinschaften gebildet und Ausrüstungen verlegt, dann fahren wir los. Ziel: Zinnen, in Weggis. An Pfingstmontag wird übrigens nicht nur getaucht: Drei Wanderinnen und ein Hund machen sich zu Fuss auf den Weg zu unserem Übungsort.

Über Wasser ist der Tauchplatz auf jeden Fall ein Volltreffer: Wir stehen vor einem ehemaligen Fischerhaus am Ufer des Vierwalstädter-Sees, die Aussicht erstreckt sich über 180 Grad zwischen Bürgenstock und Meggerhorn und auf der anderen Seite des Sees streckt und reckt sich der Pilatus in der Morgensonne. So ist das Publikum auch gut gelaunt und gut gesinnt, als Roger das Wort ergreift und als Einleitung zum Theorieteil die wichtigen Elemente eines Tauchgang-Briefings erläutert. In der Zwischenzeit bereitet sich Urs für einen solo-Ausflug vor: Kettengeräusche, das Geblase einer Luftpumpe, irgendwann crawlt er in seinem Trockenanzug auf einer lustig-bunten Luftmatratze davon und setzt etwa 150 m vom Einstieg entfernt zwei Bojen. Bei uns geht es munter weiter: Materialvorbereitung, Buddy-Check, Tauchplanung, 3-Meter-Check, Roger leitet, die anderen melden sich nach Lust und Bedarf und der Vortrag wird schnell zur interaktiven Diskussion. Wir tauschen Ideen, Gedanken und Vorgehensweisen aus. Auffallend dabei ist, dass sich alle über die Grundlagen einig sind, die Bedürfnisse aber zum Teil auseinandergehen und oft auch vom Erfahrungsgrad abhängig sind. Was einige als selbstverständlich erachten, scheint mir zum Teil wichtig zu sein und ich bin froh um bestimmte Hinweise: Funktioniert dein Oktopus auch, wenn es darauf ankommt? Verlaufen die Schläuche korrekt, ist die Ausrüstung richtig eingerichtet? Und: Wann hast du dein Material das letzte Mal kontrollieren und warten lassen? Da fällt mir ein, dass ich meine Ausrüstung mal wieder einem Fachmann in die Hand drücken sollte. Am besten noch vor den Tauchferien in Gozo... Danke Roger, das war sehr ausführlich und lehrreich.

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Dann ergreift Christian das Wort und erzählt von einem Zwischenfall, den er kürzlich erlebt hat. Ich weiss nicht, ob ich alles richtig verstanden habe, inzwischen hat uns die Sonne etwas erschlagen und die Ungeduld, ja der Drang nach einem Tauchgang ist bei allen spürbar. Es geht um eine unruhige Seefahrt, um Flaschen, die hin- und hergeschoben werden, um Material, das zusammenprallt. Jedenfalls funktioniert unter Wasser ein Atemregler nicht mehr richtig, jeder Atemzug generiert ein Mix aus Luft und Wasser, das Ganze klingt ziemlich ungemütlich und -tauchbar... Grund: Ein Ring, der im Atemregler abgebrochen ist, hat das Luftversorgungssystem beeinträchtigt. «Sorg ha» und seine Ausrüstung schonen, ja schützen – das Leben eines jeden Tauchers hängt schliesslich daran...

In der Zwischenzeit ist Urs wieder «aufgetaucht» und zivil gekleidet. Er widerholt einige Punkte, die Roger und Christian bereits erwähnt haben, und vervollständigt das Briefing, indem er uns ein paar Details zum Tauchplatz verrät. Zuerst dürfen wir raten: Wie tief ist es dort, wo die beiden Bojen gesetzt sind? Sieben Meter bei der einen, die geradeaus eher unsere Präsenz markiert, etwa zwölf Meter bei der anderen, wo wir unsere Übungen machen werden. Alles sehr flach also, viel Schlick, nicht gerade spannend, aber eben geeignet. Dann kommt auch der erste Auftrag: eine Kompass-Übung, die Boje rechts anpeilen und möglichst nahe auftauchen. Stichwort Kompass: Wie gehe ich damit um, worauf muss ich achten, damit ich mich auch drauf verlassen kann? Urs fasst sich jedoch kurz, der Kaffee ruft, die Gipfeli auch, jetzt geniessen wir erstmal eine Pause.

Es macht Freude. Das Znüni-Büffet steht bereit, das Angebot ist verlockend, Gipfeli gibt es in verschiedenen Variationen und jeder kann sich das heisse Wasser nach Vorliebe parfümieren, ob mit Kaffee, Pfefferminz- oder Schwarztee. Neue Gespräche finden statt, Erfahrungen werden ausgetauscht, wir «Kaulquappen» (darunter zwei besonders tapfere Exemplare, die auch in Schweizer Gewässer nass tauchen) suchen den Anschluss bei den grösseren Fischen, die uns schon fast behutsam-mütterlich im Schwarm aufnehmen. Plötzlich schliesst sich der Kreis wieder um Oberflosse Urs, der die Buddy-Teams gebildet hat und uns letzte Anweisungen gibt: Ausrüstung zusammensetzen und sich dabei gegenseitig beobachten, Notizen darüber machen, was einem beim anderen auffällt, dann den Tauchgang besprechen und loslegen. So begleitet mich Pascal zum Auto und schaut zu, wie ich mich vorbereite. Ich tauche «klassisch»: Ein Tauchjacket, eine Flasche, immerhin zwei Anschlüsse, Luftversorgung für den Anzug und das Jacket separat. Und ein neuer «Scheinwerfer», die im See bessere Dienste leistet, als meine Mittelmeer-Schönwetter-Taschenlampe und auf die ich stolz bin. Bei Pascal spricht hier und da die Erfahrung: Kleine, sinnvolle Hinweise helfen mir dabei, meine sieben Sachen besser bereitzustellen, damit auch nichts vergessen geht. Dann darf ich mir seine bereits zusammengestellte Ausrüstung anschauen. Und stelle sofort fest, wie wichtig der Buddy-Check in der Tat ist: Sie sieht ganz anders aus als meine! Den Oktopus hat Pascal um den Hals, bei Bedarf bekomme ich also seinen Hauptautomaten. Der bei ihm übrigens hinter dem Kopf verläuft. Bleiabwurf? Nicht vorhanden. Unsere Ausrüstungen sind also sehr unterschiedlich. Und trotzdem: Dank Buddy-Check weiss jeder, wo er beim anderen das Nötige findet. Dann sind wir soweit: Abtauchen. Bei den schon fast sommerlichen Temperaturen eine Wohltat.

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Unter Wasser verläuft es ziemlich nach Plan. Dank Kompass tauchen wir unweit der Boje wieder auf, dann folgen ein paar Übungen auf dem Grund, auf ca. 12 m Tiefe: Abblasender Automat, Flasche schliessen und wieder öffnen, Atemwechsel, alles nicht ganz einfach im doch trüben Wasser. Auch der Rückweg ist spannend: Nach der letzten Übung sind wir ziemlich desorientiert und müssen wieder dem Kompass vertrauen. Wir tarieren auf 5 Meter und flösseln los. Unter uns bleibt es lange dunstig-braun, dann erscheint plötzlich der Boden wieder, wir sind auf dem richtigen Weg. Als wir am Ufer auftauchen, stehen einige Teams schon auf dem Parkplatz, andere «blöterlet» noch knapp unter der Wasseroberfläche, dann werden bald Erfahrungen, Eindrücke und Erkenntnisse ausgetauscht und es sind sich schnell alle einig: Wieder was gelernt. Danke Pascal. Hat Spass gemacht.

 Restaurant

Den Rest – Restaurant, gemütliches Beisammensein, ja sogar einen zweiten Tauchgang – habe ich verpasst. Familienverpflichtungen. Und da Jasmin und ich ein Auto teilen... Auf dem Weg zurück nach Baar lasse ich den Tag noch einmal Revue passieren. Ich habe wieder viel gelernt. Kleinigkeiten. Aber Wichtigkeiten. Und erneut etwas Vertrauen gewonnen: Ich lerne meine Ausrüstung immer besser kennen. Und ich bin nicht allein: Wenn der Buddy-Check und der 3-Meter-Check korrekt erfolgen, dann kann man sich aufeinander verlassen. Auch das gibt beim Tauchen ein gutes Gefühl. Mein eigenes Fazit nach dem gelungenen Tag: Vertrauen ist gut – Kontrolle auch. Das gilt übrigens auch für vermeintlich volle Tauchflaschen.

 Restaurant 2