Tauchereignis von Christian Geissmann
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Taucherfahrung
Christian 1400 Tauchgänge, Tauchpartner 600 Tauchgänge
Tauchgänge
Am Samstag 23.2.2008 fuhr ich mit meinem Tauchpartner an den Urnersee zum Tauchen. Geplant waren ein bis zwei Tauchgänge.
Den ersten Tauchgang absolvierten wir um 12.47 Uhr beim Restaurant Isenthal. Es war ein 40m Tauchgang mit Pressluft 12l Gerät. Tauchzeit: 36min mit 5min Deko. Anschliessend verräumten wir unser Tauchmaterial und gingen in Flüelen Mittagessen.
Tauchgang 1
- Deko 5min für beide
- Austauchen nach dem Dekostop 3min
- braun = TG Christian, blau = TG Tauchpartner
Weil die Sichtverhältnisse so genial waren und wir uns beide sehr gut fühlten planten wir einen zweiten TG am Sisikonerkreuz. Wir gingen um 15.42 Uhr nach einer Intervallpause von 2.18 Stunden ins Wasser. Auch dieser TG verlief sehr ruhig und war genial. Tauchtiefe: max. 39.7m, Tauchzeit: 31min. Mein Computer Aladin AirZ zeigte keine Deko und der Tauchcomputer SmartCom meines Partners 5min auf 3m. Diesen Dekostop haben wir auf 6-8m abgebaut und haben zusätzlich ca. 3min auf 3m Sicherheitsstop eingebaut.
Tauchgang 2
- Intervall Pause zwischen den beiden Tauchgängen 2.18 Stunden
- Deko: Tauchpartner 5min, Christian keine
- Austauchen nach dem Dekostop 3min
- braun = TG Christian, blau = Tauchpartner
Wie kann es zu so unterschiedlichen Deko-Vorgaben kommen?
Aussage Uwatec:
Der Grund weshalb dein Computer keine Deko anzeigte, ist die Desatberechnung des 1. TG.
Der SmartCom verlangte 23h, dein Computer Air Z nur 13h. Deswegen startete
der SmartCom den 2. TG mit Microbubbles. Der SmartCom ist in der
Desatberechnung konservativer.
Vielleicht war auf dem Compi ein Tauchverbot, dies wird nicht geloggt.
War 100% nicht so und die Deko war bereits im 6m Bereich
bereits weg. Einziger Punkt wäre, dass die Austauchphase zu
kurz und zu tief war. Die Deko ist zwar abgesessen, aber die langsamen
Compartimente waren die meiste Zeit (8m-6.5m) noch am aufsättigen (rot).
Wieso wurde dann die Deko des Tauchpartners abgebaut und nicht noch grösser
? Stimmen da die Intervallberechnungen eines Repetivtauchgangs an diesen
Computern wirklich?
Wie hoch die Stickstoffbelastung am Ende des 2. TG war, seht ihr auf
Bild 2. 5 Gewebe sind beinahe 100% grün ausgefüllt, dies ist die relative Sättigung im Verhältnis zum Umgebungsdruck. 100% markiert die maximal erlaubte Sättigung.
Nach dem Umziehen und Zusammenpacken unseres Tauchmaterials beschlossen wir Richtung Luzern zu fahren um ev. noch einen Kaffee trinken.
Das Ereignis
Nach dem neuen Flüelentunnel bemerkte ich ein leichtes Krippeln im linken Fuss.
Ich fuhr jedoch weiter. Nach dem Seelisbergtunnel war das Krippeln bis zum Oberschenkel spürbar. Darauf beschlossen wir, dass
ab der Ausfahrt Beckenried mein Tauchpartner fährt und wir zur Sicherheit
das Wenolsystem bereithalten. Leider habe ich es nicht gleich benutzt.
Kaum wieder auf der Autobahn hörte das Krippeln im Bein auf und mir
wurde nach ca. einer Minute stark schwindlig und übel. Mein Tauchpartner hielt
sofort auf dem Pannenstreifen an und verabreichte mir Sauerstoff. Ich
musste erbrechen und spürte starken Schwindel. Sofort alarmierte
mein Tauchpartner die Rega worauf er mit Dr. Wendling verbunden wurde. Dieser beruhigte
ihn und fragte nach den Befunden. Es wurde ihr mitgeteilt, dass
ich zwei Stunden Sauerstoff aus dem Wenolsystem nehmen soll und wir
uns anschliessend wieder melden sollen.
Wir fuhren zur nächsten Ausfahrt und es wurde mir noch schlechter,
so dass ich mehrmals erbrechen musste. In der Nähe war ein Bauernhof und
eine Frau kam uns zur Hilfe. Diese alarmierte für mich sofort den Rettungsdienst
von Stans, der mich sehr schnell abholte und weiter mit Sauerstoff versorgte.
Im Spital angelangt wurde ich auch mit Sauerstoff versorgt und es wurden
sofort Blutdruck, Puls, meine Reaktionen gemessen und ein EKG gemacht.
Der Befund war gut. Im weiteren wurde eine Computertomographie vom Gehirn
gemacht und auch dieser Befund war gut. Mein Tauchpartner und anschliessend aucch der
Notfallarzt telefonierten mit Dr. Wendling (was besprochen wurde, weiss
ich leider nicht). Auch nach 2 Stunden reinem Sauerstoff verbesserte sich mein Zustand nicht und so blieb ich im Spital. Wieso wurde
ich nicht in eine Druckkammer überwiesen? Ich konnte nicht einmal mehr
meinen Kopf drehen oder heben, denn es wurde mir bei jeder Bewegung
übel und schwindlig. Bis am Sonntag um ca. 14.00 Uhr erhielt ich reinen
Sauerstoff und meine Werte waren zwischen 99% und nach Wegnahme des
Sauerstoffs bei ca. 95% Sauerstoffsättigung. Mein Zustand war ein wenig
besser, denn ich konnte bereits wieder meinen Kopf heben und drehen
und so einen Punkt fixieren ohne das es mir schwindlig wurde. Nur bis
ich einen Punkt fixieren konnte, hatte ich wie ein starkes Schaukeln,
das mir das Aufsitzen und Laufen fast unmöglich machte. Dieser Zustand
blieb auch bis zum Einschlafen so. Am Montag Morgen war mein Befund
schon um einiges besser, konnte ich doch bereits duschen und auf die Toilette.
Jedoch hatte ich immer noch ein Schaukeln und Schwindeln. Von der Übelkeit
war nichts mehr zu bemerken.
Als die Visite bei mir war wurde mir mitgeteilt, wenn ich zu Hause sei,
solle ich einen Hals-, Nasen-, Ohrenspezialisten aufsuchen. Es wurden
noch einige Test gemacht, wie Nasenspitz treffen, laufen, laufen Bein
vor Bein. Das letzte ging wegen Gleichgewichtsstörungen nicht. Am Nachmittag
war Herztomographie angesagt. Auch dieser Untersuch zeigte keine Auffälligkeiten.
Als letzter Punkt war jetzt noch der Untersuch des PFO (offenem Foramen
Ovale) anstehend. Da für diesen Untersuch der Magen nicht voll sein darf,
konnte ich erst um 17.00 Uhr diesen Untersuch antreten. Wieder beim
Herzspezialisten wurde ich für diesen Untersuch vorbereitet. Mir wurde
alles genaustens erklärt. Es gäbe zwei Methoden die erste mit Komputertomographie,
die zweite (genauere) mit dem Schlucken einer Sonde via Speiseröhre.
Bei mir wurde die zweite gemacht. Nach mehreren Tests zeigte der Komputer
das Resultat: ich habe ein PFO Stufe 1.
Was nun?
Der Herzspezialist erklärte mir die Möglichkeit das PFO mit
einem Schirmchen zu schliessen. Dieser Eingriff gehe über die Arterie,
in der Leistengegend und könne heute ambulant oder in zwei Tagen Spitalaufenthalt
erledigt werden. Ich war voll überzeugt diesen Eingriff zu machen, wurde
mir doch auch erklärt, dass ich somit auch von Hirnschlag und ähnlichem
ein kleineres Risiko hätte, also nicht nur Vorteil für das Tauchen.
Für den Eingriff wurde mir Dr. Prof. Meier (Herzchirurg) in Bern empfohlen
bei dem ich auch angemeldet wurde. Am Montag Abend konnte ich nach Hause.
Am Dienstag merkte ich keine Verbesserung meiner Gleichgewichtsstörungen
und so beschloss ich mich am Mittwoch Morgen mir Hr. Dr. Wendlinger
Kontakt aufzunehmen. Dieser fragte mich nach meinem Empfinden und ob
mich ein Hals-, Nasen-, Ohrenspezialist untersucht hätte. Ich beantwortete
diese Frage mit nein. Er meinte ich soll sofort einen aufsuchen. Was
nun, wen???? Gott sei Dank half mir Hr. Dr. Wendling und gab mir die
Adresse von Hr. Dr. Bömi in Zürich. Nächstes Telefon nach Zürich. Mit
viel Überzeugung und dank Gruss von Hr. Dr. Wendling konnte ich auf
10.30 Uhr zum Spezialisten.
Nächstes Telefon an meinen Hausarzt, dass ich einen Spezialisten aufsuche
und er mir eine Überweisung schreibt. Beim Hals-, Nasen-, Ohrenspezialisten
wurde durch einen Hörtest festgestellt, dass ich im rechten Ohr grössere
Gleichgewichtsstörungen habe. Mir wurden für mehrere Tage Tabletten
für Blutverdünnung im Gehörsystem verschrieben und ich soll in einer
Woche nochmals zum Untersuch kommen. Nebenbei fragte ich, ob er einen
Eingriff für das PFO machen würde, das von seiner Seite verneint wurde.
Eingriff PFO, Ja oder Nein?
Ich wurde unsicher und suchte mit
vielen Kollegen die Diskussion. Am Freitag Morgen telefonierte ich mit
meinem Hausarzt, dieser meinte eher ja, aber ich müsse selber entscheiden.
Nächstes Telefon mit Dr. Prof. Meier. Auch dieser meinte, ich soll operieren
und er erklärte mir alle positiven oder negativen Punkte des Eingriffs.
Jetzt war ich voll überzeugt diesen Eingriff zu machen und willigte
ein. Ablauf des Eingriffs
Am 13.03.2008, 13 Uhr im Spital eintreffen , am 14.3.2008 zwischen 9
und 10 Uhr entlassen. Wenn alles gut geht, könne nach spätestens fünf
Tagen alle Sportarten, inkl. tauchen wieder ausgeübt werden. Jetzt war
ich voll überzeugt diesen Eingriff zu machen und willigte ein. Am Sonntag
telefonierte Walter Studer, unser Tauchlehrer, mit Rolf Schmutz der
eine Teststudie in Bern über das PFO leitete, auch dieser bejahte den
Eingriff. Bis am 5.3.2008 haben sich meine Gleichgewichtsstörungen stetig
verbessert. Was mich sehr motiviert, aber sie sind immer noch nicht
vollständig weg. Am 6.3.2008 ging ich zum zweiten mal zum Hals-, Nasen-,
Ohrenspezialisten nach Zürich. Befund Verbesserung des rechten Gehörsystemgangs,
aber immer noch nicht gut. In drei Wochen habe ich den nächsten Termin.
Bis 11.03.2008 ich habe noch kleine Gleichgewichtsstörungen, aber seit
dem 5.3.2008 ein Sausen auf dem rechten Ohr.
OP des PFO am 13.3.2008
Um 13 Uhr musste ich im UNI-Spital eintreffen. Ein wenig nervös
ging ich an die an die Spital-Information zum Anmelden und dann gings
Schlag auf Schlag.
Einweisung und Zimmer beziehen, kaum im Zimmer, Fusion setzen, Blutdruck
und Puls Messung, EKG und Bluttest, Reaktionstest, Aufklärung des Eingriffs
und Unterzeichnung, Lungen/Herzfunktionen Kontrolle, zusätzliches MRI
(ist zur Zeit ein Test in Bern mit Zusammenhang von PFO) und dann geht es
endlich los.
Ab in den OP.
Auf der rechten Leiste wurde mir zuerst ein örtendliche Betäubung gemacht
und der Katheter an der Vene, für den Eingriff gesetzt. Auf 8 Monitoren
wurde alles genaustens beobachtet und ich konnte sogar mitschauen. Mit
einem Art Draht gingen sie nun über die rechten Herzvorhof in meine
Herzkammer und suchten das Loch. Nach ca. 10 Min, wurde das Loch gefunden
und sie gingen durch das Loch in die linke Herzkammer. Anschliessend
wurde der erste Schirm geöffnet und an die Herzwand gezogen. Nachdem
wird der Zweite Schirm die miteinander verbunden sind in der Rechten
Herzkammer geöffnet. Ca. 5 Min wird das ganze kontrolliert ob alles
sauber Sitz und anschliessend wird die Schirmbefestigung gelöst. Es
geht so schnell vorbei, das man fast nichts bemerkt. Am Schluss hat
der Assistentsarzt mir den Kathetereingang entfernt und ca. 10min auf
die Vene gedrückt das sie aufhört zu bluten und sich schliesst. Ca.
30min später machte ich das zweite MRI (Test vorher/nachher braucht
es für den Eingriff nicht). Im Zimmer angelangt wurde mir am Abend und
am Morgen zweimal ein Antibiotika eingeflösst gegen Entzündung an der
Vene.
Am Freitag Morgen musste ich nochmals Reaktionstest und ein Computertomografie
des Herzens machen. Alles bestens. Jetzt kamen noch die Formalitäten
und ich durfte um 9.30 Uhr nach Hause. D.h. der ganze Aufenthalt im
Spital dauerte ca. 20 Stunden. Zu Hause merkte ich den ersten Tag noch
den Einstich in die Vene, aber sonst geht es mir sehr gut. Den ersten
Monat musste ich ein Medikament nehmen, das den Fremdkörper (Schirm)
in meinem Herzen vom Gewebe akzeptiert wird und für 5 Monate Blutverdünnung
Aspirin.
In einem halben Jahr habe ich nochmals eine Untersuchung ob alles dicht ist.
Wer bezahlt?
Zuerst hat es geheissen die SUVA werde die Kosten übernehmen. Dies wurde jedoch von der SUVA abgelehnt und der Fall wurde an meine Krankenkasse weitergereicht.
Der Eingriff kostete ca. Fr. 16500.-- und der Nachuntersuch ist noch offen. Es lohnt sich also abzuklären ob die Versicherung zahlt.